Textilmalerei auf Polyester – Ist das Kunst oder kann das weg?

Malen auf Polyester - Textilmalerei - stoffe-bemalen.de - ErfahrungsberichtNormalerweise male ich ausschließlich auf Baumwollstoffen und Mischgeweben bis 30% Kunstfaseranteil. Das liegt nicht nur daran, dass ich diese Stoffe zum Tragen definitiv am angenehmsten finde, sondern auch daran, dass meine Stoffmalfarben nur für solche Stoffe gedacht sind. Immer wieder werde ich jedoch nach den „Bemaleigenschaften“ anderer Materialien gefragt – allen voran Polyester.

Meine Antwort darauf fällt in der Regel immer gleich aus: Mit den mir bekannten Farben lässt sich Polyester leider nicht dauerhaft und schön bemalen.

Doch woran liegt das? Was unterscheidet Polyester von Baumwolle? Um das zu verstehen, muss man sich ein klein wenig genauer mit den Materialien befassen.

Baumwoll- und Polyesterfasern unterscheiden sich stark

Bei Baumwolle handelt es sich um ein Naturprodukt. Die Fasern werden aus der Baumwollpflanze gewonnen. Sie wird geschätzt für ihre hohe Saugfähigkeit bei starker Strapazierfähigkeit. Das Bemalen von Baumwollstoffen gelingt deshalb, weil die Farbe in die Fasern eindringen und dort fixiert werden kann.

Polyesterfasern hingegen sind Kunstfasern, die auf Erdölbasis hergestellt werden. Sie wurden im 20. Jhd. als günstiger Ersatz für Seide erstmals entwickelt. Die Fasern werden künstlich synthetisiert und sind in sich geschlossen. Das verleiht dem Stoff auch die Eigenschaft, für die er sehr geschätzt wird: Er ist wenig saugfähig und damit recht schnell trocknend. Außerdem lassen sich Flecken sehr gut und schnell auswaschen, weswegen Polyester als pflegeleicht gilt.

Man kann es vielleicht schon erahnen – diese Eigenschaften klingen nicht so, als könnte man gut Farbe auf diesen Stoff bringen. Und so ist es auch. Hat man einen buntgefärbten Polyesterstoff, ist dieser schon während der Herstellung mit der Farbe behandelt worden. Nachträgliches Einfärben ist bisher nicht möglich. Die Farbe liegt nur auf den Fasern, dringt aber nicht in sie ein. So verliert sie schnell an Leuchtkraft und ist kaum beständig.

Die Schwierigkeiten, Polyester zu bemalen:
  • Die Kunstfaser ist glatt und in sich geschlossen – so nimmt sie keine Farbe auf.
  • Bunte Polyesterstoffe werden während der Herstellung bereits eingefärbt – nicht nachträglich.
  • Auf dem glatten Stoff verläuft aufgetragene Farbe, sobald sie einen Hauch zu flüssig ist.
  • Aufgrund des dünnen Stoffes ist die Farbe direkt auch auf der Rückseite zu sehen – das ist nicht immer unbedingt gewünscht.

Viele Textilien aus Polyester werden stark beansprucht

Nach meinem bisherigen Kenntnisstand und mit den mir bekannten Farben kann ich also immer noch begründen, warum das Bemalen von Polyester nicht unbedingt eine gute Idee ist. Außerdem sollte man immer bedenken, dass Kleidung und Textilien im Allgemeinen noch einmal anderen Anforderungen ausgesetzt sind, als beispielsweise Kunstobjekte aus Polyester, die dekorativ herumstehen sollen. Diese kann man sicherlich mit speziellen Lackstiften oder ähnlichem bemalen.

Doch Kleidung will getragen, gewaschen, auch mal schmutzig gemacht werden und soll anschließend noch aussehen wie vorher. Und hier liegen dann nämlich auch die Schwierigkeiten, die Farben in dem Bereich überwinden müssen.

Beispiele für das anspruchsvolle Leben von Polyestertextilien:
  • Fahnen hängen bei Wind und Wetter draußen und sind zusätzlich noch der UV-Strahlung ausgesetzt.
  • Bademode kommt mit Chlorwasser in Kontakt.
  • Fixieren durch Bügeln fällt bei Polyestertextilien flach.

Wir können also festhalten, dass man – möchte man langanhaltende Ergebnisse und schöne, bemalte Stoffe haben – lieber bei Baumwollstoffen und derlei Mischgewebe bleibt.

Einige Textilmarker sollen auch auf Polyester funktionieren

Nichtsdestotrotz spricht in meinen Augen nichts dagegen, ein wenig zu experimentieren. Während meines großen Textilmarkertests konnte ich feststellen, dass viele Hersteller von Stoffmalstiften angeben, ihre Stifte würden auch auf Polyester funktionieren.

Und da mir die Frage, ob man Polyester denn nun bemalen kann, immer noch im Ohr klang, beschloss ich, das Ganze mal auszuprobieren. Ich besorgte mir also kurzerhand eine weiße Flagge aus 100% Polyester  und legte nach dem eigentlichen Test mit diesem kleinen Experiment los.

Dafür habe ich tatsächlich alle Textilmarker getestet – auch wenn sie wie bei Marabu ausschließlich für Baumwoll- und Mischgewebe gedacht sind. Bei diesen Stiften wäre ich quasi nicht enttäuscht gewesen, wenn sie nicht gehalten hätten. Das Ergebnis war insgesamt aber doch überraschend. Einige Farben haben definitiv besser gehalten, als ich es erwartet hätte, andere Farben haben meine Erwartungen voll erfüllt und haben sich verabschiedet.

Ich habe alle 14 Textilstifte auf Polyester getestet

Die Aufgabe war denkbar simpel: Name des Herstellers in Schwarz – wo vorhanden und ein kleines Motiv mit Konturen und Farbflächen sollten alle Stifte bewältigen. Da ich die Flagge hinterher ja schlecht auf Baumwolleinstellung bügeln konnte, ließ ich das Ganze hinterher für drei Tage trocknen. Fürs Gefühl bügelte ich dann noch einmal auf der niedrigsten Stufe und mit einem Tuch dazwischen über die Farben. Anschließend ging es – ohne Waschmittel – bei 30°C in die Waschmaschine. Wenigstens eine Wäsche, bzw. ein paar Tage bei schlechtem Wetter aufgehängt im Garten sollten die Farben ja nun aushalten können. Ansonsten kann es keinerlei Empfehlungen geben.

Grundlegend konnte ich während dieses kleinen Experiments feststellen, dass die meisten Farben trotz größter Vorsicht viel zu sehr verlaufen sind. Genaue oder kleine Motive sind so definitiv nicht möglich. Auch lesbare Schrift war höchstens bei der Hälfte zu erkennen. Und die größte Enttäuschung wartete dann nach der Wäsche auf mich: Aus den leuchtenden Farben waren fast nur noch Schatten geworden.

Der einzige Textilstift, der mich in diesem Test überzeugen konnte, kommt von Beebeerun  und ließ sich sowohl anständig verarbeiten, verlief nicht, lieferte lesbare Schrift und sah nach dem Waschen noch genauso aus, wie vorher. Wie es mit der Langzeithaltbarkeit bei starker Belastung aussieht, kann ich allerdings nicht sagen, da ich meine Flagge nicht weiter malträtiert habe.

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Auch andere Farben habe ich auf Polyester getestet

Um einen Vergleich zu den Textilmarkern zu haben, habe ich übrigens noch sechs weitere Farben getestet: Meine normalen Stoffmalfarben, Edding Boardmarker, Acrylfarbe, Filzstifte, Fineliner und Künstlertusche (Copicmarker).

Diese Farben hatte ich gerade zur Hand und gerade Acrylfarbe wird ja auch eine Malbarkeit auf sämtlichen Untergründen unterstellt.

Stoffmalfarbe:

Die Verarbeitung war super. Und erstaunlicherweise lieferte die Stoffmalfarbe nach dem Waschen neben Beebeerun das beste Ergebnis. Dennoch möchte ich dringend davon abraten, sich auf diese Stichprobe zu verlassen und Stoffmalfarbe nun uneingeschränkt auch auf Polyester zu verwenden. Sicherlich hängt das Ganze auch immer mit den genauen Eigenschaften und Zusammensetzungen des Stoffes zusammen. Dass es in diesem Fall funktioniert hat, ist gut, aber wohl eher die Ausnahme.

Edding Boardmarker:

Abgesehen von der geringen Farbauswahl ging es definitiv besser, als mit den Stoffmalkollegen derselben Firma. Die Farben verblassten nach dem Waschen aber auch. Für einmalige Bemalungen sicherlich ausreichend.

Acrylfarbe:

Im Gegensatz zur Stoffmalfarbe war zwar die Verarbeitung ähnlich gut, doch das Ergebnis nach dem Waschen definitiv ein anderes. Die Acrylfarbe ist zu sehr ausgehärtet und leicht bröselig geworden. Außerdem ist sie auch stark verblasst. Sie sah nach dem Waschen eher scheckig aus.

Filzstift:

Die Filzstifte bekommen von mir ein klares und deutliches NEIN. Weder ließen sie sich gut verarbeiten, noch war von ihnen nach der Wäsche noch irgendetwas zu sehen. Ich fragte mich tatsächlich als erstes, warum ich da so eine komische Lücke auf dem Stoff gelassen habe…

Fineliner:

Wie zu erwarten war die Verarbeitung nicht optimal und es war auch nach der Wäsche nicht mehr viel übrig.

Künstlertusche (Copicmarker):

Diese Stifte hatte ich noch aus früheren Zeiten herumliegen. Sie ließen sich ganz prima verarbeiten und es war auch die erste Farbe aus einem Stift, die so gar nicht verlaufen ist. Hier merkt man die gute Qualität, auch was den Flüssigkeitsgehalt der Farbe angeht. Leider ist nach dem Waschen sehr viel Farbe verloren gegangen und es ist nur noch ein pastelliger Rest geblieben.

Mein persönliches Fazit

Es war definitiv eine interessante Erfahrung, mal auf Polyester zu malen. Es fühlte sich oft an wie Seidenmalen – nur ohne Gutta. Und das gehört auch schon nicht zu meinen liebsten Techniken. Ich kann mit Farbe, die macht was sie will, nicht so viel anfangen. 😊

Eine Empfehlung bekämen von mir definitiv nur die Stifte von Beebeerun . Ihnen traue ich zu, länger und besser auf Polyester zu halten als den anderen. Außerdem ließ sich mit ihnen sauber arbeiten, ohne das alles verlief. Dennoch möchte ich vor zu unbedarftem Gebrauch warnen: Dir sollte immer bewusst sein, dass bemaltes Polyester eine deutlich geringere Haltbarkeit aufweisen wird, als bemalte Baumwollgewebe.

Für die besten Ergebnisse werde ich weiterhin bei Baumwoll- und Mischgeweben bleiben und die entsprechenden Stoffmalfarben nutzen.

Letzte Aktualisierung am 22.10.2020 um 15:22 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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