Mix up: Stoffmalfarben mischen leicht gemacht

Stoffmalfarben richtig mischen Man kennt es: Da möchte man los malen, hat auch schon ein schickes Motiv ausgesucht und übertragen und dann wird es problematisch.

Ein helles Grün, ein dunkles Rot und eine undefinierbare, an Sand erinnernde Farbe sind auf der Vorlage zu erkennen. Dann der verzweifelte Blick ins Farbsortiment – und Schockschwerenot – keine dieser Farben steht dort fertig herum.

Textilfarben richtig mischen - Stoffe bemalen

Mein persönliches Farbenregal umfasst inzwischen eine beträchtliche Menge unterschiedlicher Stoffmalfarben

Zugegeben: Die Auswahl an Stoffmalfarben hat sich in den letzten Jahren wirklich spektakulär erweitert. Als ich anfing, war ich froh um jede Farbe, die wir hatten und die über die Grundfarben hinausging.

Inzwischen kann ich tatsächlich aus drei verschiedenen, sandartigen Farben wählen.

Doch nicht nur bei speziellen Farben ist es notwendig, sie selbst zu mischen, sondern auch, wenn man sich nicht die riesengroße Auswahl leisten kann oder will.

Da Stoffmalerei eines meiner wichtigsten Hobbys ist, habe ich im Laufe der Jahre wirklich fast jede erhältliche Farbe erstanden und in meinem inzwischen recht großen Regal stehen.

Wie viele Stoffmalfarben man braucht, hängt von vielen Faktoren ab

Wer jedoch nur ab und zu malen möchte oder eben nicht gleich das gesamte Sortiment kaufen will, wenn er nur einen Quadratzentimeter in dieser Farbe malen möchte, muss mischen.

Das ist jedoch manchmal gar nicht so einfach und unterliegt einigen Regeln.

In diesem Artikel möchte ich dir näherbringen:

  • wie man Farben am besten mischt
  • woraus die gängigen Farben entstehen können
  • wie man gemischte Farben am besten aufbewahrt
  • was passiert, wenn man Farben für helle und dunkle Stoffe mischt
  • was man tun kann, wenn die gemischte Farbe nicht ausreicht
  • welche Farben du als Anfänger kaufen solltest, um gut ausgestattet zu sein

Um zu verstehen, wie das Mischen von Farben funktioniert, muss man zuerst einmal ein paar grundlegende Fakten kennen.

Wer Farben mischen will, muss ein paar Regeln kennen

Es gibt zwei Arten von Farbmischung.

Stoffmalfarben richtig mischen

Bei der additiven Farbmischung überlagern sich die Farben und werden zu Weiß

Die additive Farbmischung und die subtraktive Farbmischung.

Während man die additive Farbmischung vielleicht von früher eher aus dem Physikunterricht kennt, war und ist die subtraktive Farbmischung mehr im Kunstraum anzusiedeln.

Die additive Farbmischung bezieht sich auf die reine Mischung des Lichts der – in diesem Fall – Grundfarben Rot, Grün und Blau. Man nennt sie auch RGB-Farben. Mischt man bei dieser Variante alle drei Primärfarben zusammen, so erhält man Weiß.

Auch an Computerbildschirmen oder Handydisplays kommt die Farbmischung aus Licht zum Einsatz.

Da wir aber auf unseren Stoffen selten nur mit Licht arbeiten, müssen wir uns damit allerdings nicht näher befassen.

Für uns Stoffmaler ist die subtraktive Farbmischung das Mittel der Wahl.

Natürlich wird auch hier der Eindruck der Farbe über Licht erzeugt. Keine Farbe kann ohne Licht und die entstandene Lichtbrechung existieren.

Aber im Fall der subtraktiven Farbmischung ergänzen sich die Lichtwellen nicht, sondern werden durch Lichtfilter oder – wie in unserem Fall – Farbpigmente absorbiert, also subtrahiert.

So entsteht der Eindruck einer Mischfarbe.

Der Farbkreis gibt Aufschluss

Um diese Farbmischung besser zu verstehen, sollte man einen Blick auf den Farbkreis nach Johannes Itten (1961) werfen. Mit seiner Hilfe kann man sich beinahe jede Farbe zusammenmischen.

Stoffe bemalen - Stoffmalfarben richtig mischen

Der Farbkreis nach Itten – ein beliebtes Werkzeug bei der Farbmischung

In der Mitte sieht man die die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau. Sie bilden ein Dreieck zur besseren Anschauung.

Sie werden auch Primärfarben genannt.

An den langen Seiten befinden sich jeweils drei weitere Dreiecke. Ihre Farben ergeben sich aus der Mischung 1:1 der darunterliegenden Grundfarben, die sogenannten Sekundärfarben.

  • Rot + Gelb = Orange
  • Blau + Rot = Violett
  • Gelb + Blau = Grün

Nun übertragt man jede Farbe an der Spitze des jeweiligen Dreiecks auf den Außenkreis und setzt dazwischen wieder die 1:1 gemischten Farben, die Tertiärfarben.

  • Gelb + Grün = Gelbgrün
  • Blau + Violett = Blauviolett
  • usw.

Das Schema kann man so auf alle Farben übertragen.

Diese Informationen liefert der Farbkreis

Doch was bedeutet das jetzt für uns?

  1. Im Prinzip benötigt man für ein Bild also nur drei Grundfarben: Rot, Gelb und Blau. Daraus kann man alle anderen Farben mischen.
  2. Man erhält eine erste grobe Vorstellung, welche Farben man mischen muss, um einen bestimmten Farbton zu bekommen.

Allerdings ergeben sich dann trotzdem einige Probleme.

  1. Schwarz und Weiß lassen sich nicht mischen und sollten deshalb auch immer im heimischen Farbsortiment vorkommen.
  2. Wenn man jede Farbe separat anmischt, besteht immer die Gefahr, dass die Farbe nicht reicht.
  3. Jedes Mal die Farben, mit denen man viel malt (z.B. Grün) anzumischen, ist auf Dauer wenig komfortabel.
  4. Außerdem muss man Reste verwahren oder viel Farbe entsorgen.
  5. Für kleine Flächen ist das Mischen eine gute Lösung.
  6. Wer viel und oft malt, sollte sich nach und nach häufig benutzte Farben zulegen.

Der Farbkreis ist jedoch ein passables Werkzeug, um sich die Mischwerte der Farben vor Augen zu führen.

Die gegenüberliegenden Farben bezeichnet man übrigens als Komplementärfarben. Sie haben den höchsten Kontrast. Das kann interessant sein, wenn man selbst für die Farbgestaltung eines Motivs verantwortlich ist und sich Gedanken zur Farbwahl macht.

Aus zwei Komplementärfarben wird Braun

Mischen sollte man Komplementärfarben nur, wenn man Braun braucht. Das funktioniert ganz gut.

Stoffmalfarben richtig mischen

Hier sieht man links, wie die Komplementärfarben sich zu Braun ergänzen. Rechts noch einmal die Mischung der Primär- zu Sekundärfarben.

Komplementärfarben sind:

  • Orange+Blau
  • Violett+Gelb
  • Rot+Grün

Natürlich unterscheiden sich die Brauntöne in ihrer Intensität und Farbvariation je nach verwendeter Farbe und Mischungsverhältnis.

Grün und Rot kann mehr ins auberginefarbene tendieren, während Orange und Blau einen Grünstich haben und etwas heller sind. Violett und Gelb kommen einem schönen Braun in meinem Fall noch am nächsten.

Aber wie gesagt, es kommt auch auf die zugrundeliegenden Farben an. Da auch hier kaum noch „reine“ Grundfarben zu finden sind, sondern die Farben schon in anderen Nuancen gemischt sind, wird sich auch das Ergebnis unterscheiden.

Aber das grundlegende Prinzip wird schon einmal deutlich.

Mische ich die Farben nur in kleiner Menge und nur für ein Bild an, so benutze ich eine Mischpalette  oder einen alten Teller dafür. Hier werden quasi „on Demand“ die benötigten Farben angefertigt.

Diese Methode geht bei kleinen Farbmengen gut, allerdings kann man eine Farbe so selten ein zweites Mal anmischen. Sie wird sich immer minimal unterscheiden.

Brauche ich größere Farbmengen – möglicherweise sogar für mehrere Bilder – so benutze ich leere Gläschen dafür. Man kann ausgewaschene Farbgläschen nehmen oder andere Gefäße, die von der Größe her passen.

Ganz wichtig dabei ist, dass die Behälter wirklich komplett luftdicht verschlossen werden können.

Die richtige Aufbewahrung gemischter Farben ist essentiell

Kommt Luft an die Farben, trocknen sie aus.

Stoffmalfarben richtig mischen

Nicht mehr zum Verzehr geeignet: Stoffmalfarben aufbewahrt im Nutella-Glas

Ich persönlich habe vor einiger Zeit die für mich entdeckt – und zwar nicht unbedingt zum Essen, sondern zum Aufbewahren der Farben.

Sind sie nämlich erst einmal geleert und ausgewaschen, so sind sie absolut optimal geeignet, um die Farben aufzubewahren.

Ansonsten hebe ich leere Gläschen der Stoffmalfarben auf und beschrifte sie neu.

Farben, die ich mir in größerer Menge für diese Gläschen angemischt habe, sind unter anderem ein schönes Grau und eine passable Hautfarbe.

Da Grau die in meinen Augen einfachste zu mischende Farbe ist und ich Schwarz und Weiß sowieso in mehrfacher Ausführung im Regal stehen habe, mache ich das immer selbst. Graue Stoffmalfarbe ist also in etwa so, wie die Zimt-und-Zucker-Mischung in der Küche: Kann man fertig kaufen, aber richtig gut wird es erst, wenn man es selbst mischt. 😊

Bei der Hautfarbe ist es ähnlich. Da einen Ton zu treffen, der einem wirklich zusagt, ist gar nicht so einfach.

Ihn jedes Mal neu anzurühren, würde mich viele Nerven und Jahre meines Lebens kosten. Also habe ich mir einmal die Mühe gemacht, einen schönen Ton zu bekommen und ihn dann gleich großzügig zusammengestellt.

Hautfarbe ist schwer zu mischen und immer individuell

Die Schwierigkeit einer schönen Hautfarbe kennt wahrscheinlich jeder, der viel mit Farben arbeitet. Es gibt leider auch nicht DEN Tipp, wie man sie schön anmischen kann. Denn jede Hautfarbe ist individuell und im Prinzip kann JEDE Farbe in die Hautfarbe gemischt werden, um sie entsprechend anzupassen.

Es ist IMMER an Experimentieren gebunden. Ich persönlich fange gerne mit Weiß an und mische die dunkleren Farben nach und nach vorsichtig dazu.

Genereller Tipp:
Mische Farben am besten immer, indem du mit der helleren Farbe beginnst. Du benötigst in der Regel nur winzig kleine Mengen der dunkleren Farbe, um bei der helleren einen Effekt zu erzielen.

Andersherum benötigst du eine viel größere Menge heller Farbe, um eine dunkle aufzuhellen.

Stoffmalfarbe richtig mischen

Meine selbst angemischte Hautfarbe: Für die meisten Projekte ist sie gut geeignet

Als nächstes wähle ich einen Braunton, der von seiner Grundtendenz schon am ehesten zur gewünschten Hautfarbe passt – also entweder einen warmen oder kühleren Braunton.

Dazu können winzigste Nuancen Rot, Blau, Gelb oder sogar Grün, Lila oder Schwarz kommen.

Möchte man tatsächlich Portraits malen, muss man den Hautton auch jedes Mal individuell anmischen.

Malt man aber so wie ich immer nur mal etwas in Hautfarbe und stimmt der Grundton, kann man die gleiche Farbe immer wieder verwenden.

Abwandeln kann man sie immer noch.

Genereller Tipp:
Sei mit Schwarz immer besonders vorsichtig. Es ist sehr dominant und kann bei zu hoher „Dosierung“ schnell jede Farbe killen. Lieber wenig nehmen, als hinterher ärgern.

Wo man die Stoffmalfarben mischt

Entweder verwendest du eine Mischpalette oder mischst größere Mengen direkt in einem geeigneten Gefäß an. Das bietet sich an, wenn die Farbe weiterverwendet werden soll.

Direkt auf dem Stoff solltest du nur dann mischen, wenn es sich um Schattierungen oder Nuancen handelt.

Genereller Tipp:
Achte beim Farbenmischen IMMER darauf, die Farben mit einem sauberen Werkzeug aus den Gläschen zu holen.

Wasche Pinsel aus oder nutze neue Spatel. Tust du das nicht, hast du irgendwann nur noch Mischfarben im Regal stehen. Das wäre sehr ärgerlich.

Farben für helle und dunkle Stoffe mischen

Stoffmalfarben für helle Stoffe gibt es inzwischen in deutlich mehr Farbvarianten, als diejenigen für dunkle Stoffe. Womit das genau zusammenhängt, vermag ich nicht zu sagen. Aber diesen Fakt sollte man berücksichtigen, wenn man Stoffe bemalen will – besonders dunkle.

Stoffmalfarben richtigh mischen

Ich habe Stoffmalfarben sowohl für helle, als auch für dunkle Stoffe – die Auswahl ist inzwischen beeindruckend

Das ist bei mir in 90% der Fälle so. Also sind die meisten Farben, die ich mir neu zulege, inzwischen für dunkle Stoffe geeignet und mit dem Zusatz „Opak“ oder „Solid“ versehen. Doch viele – gerade die „Spezialfarben“ – sind nur für helle Stoffe geeignet.

Im Artikel Welche Textilfarbe passt zu mir habe ich bereits auf die Möglichkeit hingewiesen, mit einer weißen Grundierung zu arbeiten. Mit ihrer Hilfe kann man mit jeder Stoffmalfarbe auf dunklem Stoff malen. Man benötigt nur weiße Textilfarbe für dunkle Stoffe.

Möchte man aber sowieso eine Farbe mischen, kann man das auch mit beiden Sorten machen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Opakfarben sehr stark sind. Das bedeutet, dass man relativ wenig von ihnen zu einer anderen Farbe mischen braucht, um eine deckende Farbe zu erhalten.

Stoffmalfarben richtig mischen

Hier habe ich direkt auf dem Stoff gemischt – und zwar individuelles Grau

Auf der sicheren Seite sollte man für gewöhnlich sein, wenn man 1:1 mischt – also einen Teil Farbe für helle Stoffe und einen Teil Farbe für dunkle Stoffe.

Deckt die Opakfarbe, die man gewählt hat, auch so schon nicht gut, wird sie das in einer Mischung mit einer anderen Farbe vermutlich noch weniger machen.

Normalerweise kann man das Ergebnis aber schon direkt beim Malen erkennen: Sickert die Farbe sofort in den dunklen Stoff, so wird sie auch nach dem Trocknen nicht deckend sein.

Die besten Ergebnisse erziele ich meist mit einem kleinen Teil Weiß für dunkle Stoffe. Anderes Weiß habe ich auch kaum noch in meinem Repertoire – auf hellen Stoffen brauche ich meist kein Weiß oder verwende auch das Opakweiß.

Genereller Tipp:
Mit Opakfarben kann man auch auf hellen Stoffen malen. Das geht. 😊

Aufpassen sollte man bei gemischten Farben aus hell und dunkel geeigneten Farben beim Einsatz von Wasser.

Nimmt man für einen Effekt zu viel Wasser dazu, so passiert es in der Regel, dass der Teil Farbe, der nur für helle Stoffe war, sich verdünnisiert und im Stoff verschwindet. Übrig bleibt nur der für dunkle Stoffe. Das sollte man im Hinterkopf haben.

Wenn die gemischte Farbe nicht reicht…

Stoffmalfarben richtig mischen

Wenn man selbst mischt und die Farbe nicht reicht, ist guter Rat teuer…

Das ist in der Tat ziemlich blöd. Sofern man die Mischungsverhältnisse nicht mit Briefwaage und Tabelle festgehalten hat, wird man dieselbe Farbe so nicht noch einmal hinbekommen.

Man kann es versuchen und mit dem Versuch leben.

Oder man mischt ein zweites Mal Farbe – diesmal mehr – und malt die Fläche noch einmal aus.

Ansonsten bleibt einem nur, die Erfahrung für das nächste Mal abzuspeichern und dann entsprechend die Menge der angemischten Farbe anzupassen.

Welche Farben sollte man sich als Anfänger auf jeden Fall anschaffen?

Die Liste der Stoffmalfarben, die man braucht, richtet sich immer ein bisschen nach den eigenen Ambitionen. Möchte man viele farbenfrohe Bilder malen oder reicht einem Schwarz und Weiß?

Die Basicausstattung sollte beinhalten:

  • Schwarz
  • Weiß
  • Blau
  • Rot
  • Gelb

Diese ganz einfache Auswahl ermöglicht es dir, alle anderen Farben zumindest theoretisch anzumischen. Allerdings wird man schnell merken, dass der Aufwand und der Farbverlust nicht im besten Verhältnis stehen.

Stoffmalfarben richtig mischen

Die Basicausstattung – hier direkt in der Opak-Variante

Ich würde mir also noch ein paar andere wichtige Farben anschaffen, die man oft braucht:

  • Grün
  • Lila
  • Orange
  • Braun

Damit sollte man dann schon ein ganzes Stück weiterkommen und es sind individuellere Mischungen möglich.

Anschließend sind der Anschaffung weiterer Farben keinerlei Grenzen gesetzt.

Stoffmalfarben richtig mischen

Man muss sie nicht alle haben – aber man kann! Und ein bisschen Platz ist schließlich noch da 😊

Wer mehr auf dunklen Stoffen malt, sollte sich direkt die „solid“ Varianten der Farben anschaffen.

Also viel Spaß beim Farbenmischen und Experimentieren. Je mehr Übung man hat, desto schneller findet man heraus, welche Farben man für welches Ergebnis mischen muss.

Letzte Aktualisierung am 15.11.2019 um 11:29 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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