Das A und O des Stoffmalens

Das Malen ist das Herzstück meiner und hoffentlich auch bald deiner Arbeiten. Ohne Farbe auf dem Stoff auch kein selbstbemaltes Kleidungsstück.

Damit du hierbei möglichst wenig Schwierigkeiten bekommst, führe ich dich hier nun genauer an dieses Thema heran.

Du hast vermutlich die anderen Artikel bereits verfolgt und nun dein vorbereitetes Shirt, bzw. den gewünschten Stoff vor dir liegen. Solltest du noch Fragen haben, lies dir den Artikel Die Basics noch einmal in Ruhe durch.

Das Motiv ist bereits auf das gewaschene Stück Stoff übertragen, wie im dazugehörigen Abschnitt – Wie das Motiv auf den Stoff kommt – erklärt.

Jason T-Shirt mit Konturen zum Stoffbemalen

Das Motiv ist übertragen

Du hast die passenden Farben – Welche Textilfarbe passt zu mir? – für dein Motiv besorgt und dir alle Materialien parat gelegt:

  • Pinsel
  • Stoffmalfarben
  • einen Behälter mit sauberem Wasser zum Ausspülen der Pinsel
  • ein paar Blätter Küchenkrepp für alle Fälle und zum Ablegen der Pinsel
  • eine Mischpalette
  • etwas zum Aufrühren der Farben – z.B. einen Holzspieß/Zahnstocher
  • gegebenenfalls ein paar Wattestäbchen für Missgeschicke
  • eine Kopie des Motivs zur Orientierung

Das sind die besten Voraussetzungen, um nun mit dem Malen starten zu können

Beim Stoffmalen, bzw. beim Malen generell gibt es viele verschiedene Techniken, mit welchen Farben man anfängt, ob man mit viel oder wenig Wasser arbeitet oder ähnliches.

Ich möchte dir hier mein Vorgehen vorstellen, das je nach Motiv etwas variieren kann, aber bei mir bisweilen am besten funktioniert.

Hast du andere Erfahrungen gemacht, ist das natürlich gar kein Problem. Man kann bei der Stoffmalerei auch prima experimentieren. 😊

Ganz wichtig:
Bevor du loslegst, musst du die entsprechende Farbe einmal ordentlich durchrühren, um Unregelmäßigkeiten in der Stoffmalfarbe zu vermeiden.

Fülle dir zum Malen dann am besten etwas Stoffmalfarbe auf die Mischpalette um oder benutze zunächst die Farbe, die noch an deinem Rührutensil hängt.

Wenn du nicht direkt aus dem Glas malst, kommt es dort zu weniger Verunreinigungen und die Farbe trocknet nicht so schnell ein. So ist deine Stoffmalfarbe schlussendlich länger haltbar.

Schritt 1 – Wähle immer den passenden Pinsel aus

Bevor du dein Motiv anmalen kannst, musst du dir Gedanken machen, welchen Pinsel du verwenden möchtest. Es gibt die unterschiedlichsten Varianten, die für die verschiedensten Bedürfnisse geeignet sind.

U.a. zu sehen: Rotmarderpinsel, Haarpinsel, Borstenpinsel, Stupfpinsel, Echthaarpinsel, Kunsthaarpinsel

Pinsel gibt es in unzähligen Varianten

Man unterscheidet sowohl die Form – nämlich Flach- oder Rundpinsel – als auch das Material – Kunst- oder Echthaare. Es gibt Pinsel inzwischen in fast unzähligen Variationen. Da den richtigen zu finden, kann mitunter etwas schwierig sein.

Grundsätzlich gilt, je größer die zu malende Fläche, desto größer darf auch der Pinsel sein. Feine Linien malt man am besten mit einem feinen Pinsel. So weit, so gut.

Ich persönlich lege bei den Pinseln großen Wert auf Qualität, da diese das Ergebnis maßgeblich beeinflusst.

Beste Erfahrungen habe ich mit Rotmarderpinseln  gemacht, da diese langlebig, flexibel und zugleich präzise sind. Sie verlieren nur sehr selten Haare, die dann im Motiv stören. Bei anderen Pinseln passiert das leider viel, viel häufiger. Außerdem gibt es sie oftmals im Set in verschiedenen Größen.

Für unterschiedliche Effekte können neben größeren Pinseln auch andere Materialien zum Einsatz kommen, wie z.B. Schwämmchen, Stupfpinsel oder Ähnliches.

Materialien zum Bemalen von Stoff

Unterschiedliche Stupfpinsel, Schwämmchen und Hölzchen

Man kann die Stoffmalfarbe für bestimmte Effekte sogar mit dem Finger verteilen. Das hat nur den Nachteil, dass man die Farbe nicht mehr präzise aufbringen kann und deutlich mehr Farbe benötigt, als mit dem Pinsel.

Schritt 2 – Beginne mit den Konturen

Die Konturen sind gemalt

Hast du dich für ein Motiv entschieden, das Konturen enthält, so ist es ratsam, diese zuerst zu malen.

Das hat mehrere Gründe.

Zum einen bekommt man einen ersten Eindruck des Bildes und ist im weiteren Malverlauf zeitlich nicht mehr abhängig.

Denn durch das Nachmalen der Konturen ist es unerheblich, ob die übertragenen Linien des Kopierpapers nach ein paar Tagen verschwunden sind oder nicht.

Unschöne Lücken durch ausbaufähige Maltechnik

Zum anderen lassen sich die farbigen Flächen später angenehmer ausfüllen, da man besser abschätzen kann, bis wo man malen muss.

Malt man erst die farbigen Flächen und anschließend die Konturen, so können unschöne Lücken im Motiv entstehen.

Ein weiterer großer Vorteil besteht darin, dass man bei Fehlern beim Malen der Konturen – und da es sich um sehr feine Linien handelt, kann das mal passieren – leichter korrigieren kann.

Es besteht nicht die Gefahr, dass du beim Einsatz von Wasser zur Korrektur den Rest der Stofffarbe mit wegwäschst.

Nimm dir für das Malen der Konturen viel Zeit und arbeite mit einem sehr feinen Pinsel. Ich nehme hier gerne Rotmarderpinsel mit der Kennung „0“, bei besonders dünnen Konturen kann es auch mal ein „00“ Pinsel sein.

Achte darauf, dass du nur sehr wenig Farbe auf den Pinsel aufträgst.

Je mehr Farbe am Pinsel ist, desto ungenauer werden deine Linien.

Wasche den Pinsel lieber häufiger aus und nimm immer wieder Farbe nach, anstatt einmal viel Farbe zu nehmen.

Du kannst außerdem den Pinsel nach jedem Auswaschen auf dem Küchenkrepp durch eine Drehbewegung „anspitzen“. Das sorgt dafür, dass die Spitze deines Pinsels immer schön präzise bleibt.

Sobald du merkst, dass die Linien ausfransen, wäschst du den Pinsel aus und „spitzt“ ihn wieder an.

So erhältst du bei feinen Linien die besten Ergebnisse.

Schritt 3 – Male am besten von links nach rechts oder von innen nach außen

Je nach Motiv kann es sehr sinnvoll sein, das Motiv von links nach rechts aufzubauen – wenn man Rechtshänder ist.

Für Linkshänder gilt die Regel andersherum.

Diese Regel minimiert die Gefahr, bereits Gemaltes mit der malenden Hand zu verschmieren.

Es ist sehr ärgerlich, wenn man plötzlich die noch feuchte Farbe an der Hand spürt und in dem Moment inständig hofft, dass noch etwas zu retten ist.

Neigst du dazu, dein Werkstück während des Malens oft zu drehen, so empfiehlt es sich, möglichst von innen nach außen zu malen.

Ich male zuerst das innenliegende rot…

…und danach das außenliegende weiß.

 

Schritt 4 – Lass die Stoffmalfarben zwischendurch ruhig trocknen

Die erste Schicht weiße Farbe muss trocknen…

Solange du keine Farbverläufe in deinem Motiv anstrebst oder mit einer Nass-in-nass Technik malst, so ist es durchaus ein kluger Schachzug, Farben trocknen zu lassen.

Mach zwischendurch einfach mal eine Pause vom Malen.

Erstens verändern sich die Farben beim Trocknen – gerade auf dunklen Stoffen – oftmals noch.

Gerade weiß auf schwarz wird gerne durchscheinend nach der Trocknungsphase und braucht einen zweiten „Anstrich“.

Vermeide es, die Farbe schon beim ersten „Anstrich“ zu dick aufzutragen, um dem vorzubeugen.

Eine zu dicke Farbschicht bröckelt hinterher unter Umständen einfach ab oder wird schnell rissig.

Zweitens kannst du so ungewolltes Ineinanderlaufen verschiedener Farben verhindern.

Es ist sehr ärgerlich, wenn zwei Farbflächen beschließen, sich zu verbinden und interessante Farbkreationen erstellen.

Und drittens brauchst du dir keine Gedanken machen, ob du die Farbe verwischen kannst oder nicht, wenn du mit der nächsten Farbe weitermachst.

Schritt 5 – Farbverläufe

Für anständige – und gewollte – Farbverläufe musst du immer mit den noch feuchten Stoffmalfarben arbeiten.

Selbstgemaltes Shirt mit Pferdeportrait - Stoffe bemalen

Farbverläufe lassen ein Motiv lebendiger erscheinen

Nur solange die Farben noch nicht getrocknet sind, kann man sie übergangslos ineinander verschwimmen lassen.

Ob du dich hierbei von hell nach dunkel oder von dunkel nach hell arbeitest, bleibt dir überlassen.

Beide Techniken sind gebräuchlich.

Entscheidest du dich jedoch für eine Technik, solltest du für dieses Motiv dabei bleiben, um ein einheitliches Ergebnis zu erzielen.

Achte bei Farbverläufen unbedingt darauf, dass du gerade für die zweite Farbe nicht zu viel auf einmal nimmst.

Man vertut sich mit der Farbmenge gerne mal und hat plötzlich keinen Verlauf mehr, sondern eine einfarbige Fläche.

Es kann auch  bei etwas zähflüssigeren Farben ratsam sein, diese mit etwas Wasser aufzurühren. Dies führt dazu, dass die Textilfarben noch weicher ineinander übergehen können.

Achte aber unbedingt darauf, nicht zu viel Wasser zu nehmen, da die Farbe sonst überall hin verläuft, nur nicht mehr da, wo sie sollte.

Du kannst das Wasser auch ruhig schon vorher auf der Mischpalette hinzugeben, dann hast du eine bessere Kontrolle über die Konsistenz der Farbe.

Generell gilt:
Etwas Wasser zur Textilfarbe hinzuzugeben, kann deren Maleigenschaften enorm verbessern.
Es erhöht aber auch das Risiko, dass die Farbe verläuft.
Da die meisten Stoffe sehr saugfähig sind nehmen sie mit dem Zuviel an Wasser natürlich auch die Farbe an Stellen auf, an die sie gar nicht sollte.
Besonders anfällig dafür sind helle und dünne Stoffe.

Sollte dennoch mal ein Malheur passiert sein, kannst du meine Lösungsvorschläge auf der Seite S.O.S. – Hilfe, mein Shirt ist im Eimer nachlesen.

Schritt 6 – Farben mischen

Es kommt durchaus einmal vor, dass man trotz einer inzwischen gewaltigen Auswahl an Textilfarben nicht den richtigen Farbton findet.

Dann hilft nur das Mischen der Farben.

Hierbei solltest du mehrere Dinge beachten.

Zum Ersten solltest du überprüfen, in wie weit die Farben zusammenpassen.

Im Normalfall sind alle Textilfarben kompatibel, doch manchmal unterschieden sie sich in der späteren Waschtemperatur.

Achte also unbedingt darauf, dass du dir die niedrigere Waschtemperatur merkst, wenn du zwei unterschiedliche Farben mischst.

Ansonsten gibt es hinterher unschöne Überraschungen beim Waschen.

Zweitens musst du dir überlegen, wie viel Farbe du benötigst.

Nichts ist ärgerlicher, als nach der Hälfte des gemalten Bereiches keine angemischte Farbe mehr zu haben und den Farbton hinterher nicht noch ein zweites Mal so hinzubekommen.

Also mische immer eine ausreichend große Menge an Farbe an und habe bestenfalls ein verschließbares Gefäß für den Rest.

Ich verwende gerne ausgewaschene, alte Textilfarbgläser für gemischte Farben.

Gerade Farben, die ich häufiger verwende, es aber so nicht gibt, habe ich auf „Vorrat“ angemischt.

So bleibt der Farbton auch lange der gleiche.

Als dritten Punkt gibt es noch zu bedenken, dass eine Mischung aus einer Farbe für dunkle und einer für helle Stoffe möglicherweise problematisch sein könnte.

Möglicherweise ist eine solche Mischung für einen dunklen Stoff nicht deckend genug.

Achte also auch hier darauf, dass die Farben harmonieren.

Diese Dinge sind beim Mischen von Stoffmalfarben zu beachten
1. Die Waschtemperaturen müssen zusammenpassen.
2. Mische ausreichend Farbe an und verwahre den Rest in verschließbaren Gefäßen.
3. Achte auf Farben für helle und dunkle Stoffe und ihren Verwendungszweck.

Noch ein paar Grundsätzlichkeiten

Wechsele das Wasser für den Pinsel nach jeder Farbe aus.
Das bedeutet, wenn du mit dem Schwarz der Konturen fertig bist, wird das Wasser vermutlich eine ähnliche Farbe aufweisen. Wechsele es aus, damit beim Einsatz der nächsten Farbe nicht alles einen Grauschleier bekommt.

Ziehe den Stoff immer wieder glatt.
Achte peinlich genau darauf, dass du keine Falten im Stoff hast, wenn du malst. Ansonsten wird dein Bild unsauber und ungenau. Hierbei hilft dir das eingeschobene Brett im Innern des Kleidungsstückes.

Sollte dir die Farbe an den Rändern ausfransen, so kannst du mit dem Fingernagel nachschieben.
Gerade bei den Konturen sehr hilfreich, wenn die Linien mal etwas ungenau werden. Einfach mit dem Fingernagel die Farbe vorsichtig an die richtige Stelle schieben und den Nagel danach säubern. So erhältst du präzise Kanten und Konturen.

Es spricht nichts dagegen, Materialien zu mischen.
Du kannst also selbstverständlich Sprühfarben innerhalb des Motivs oder für den Hintergrund verwenden oder Schriftzüge mit Textilmarkern einfügen. Solange die Farben hinterher bei der niedrigsten Temperatur gewaschen werden, die eine Farbe verträgt, ist das kein Problem. Sprich, wenn alle Farben bei 40 ° C waschbar sind, aber eine nur bis 30 ° C, so darf das Kleidungsstück auch nur bei 30 ° C gewaschen werden. Sonst könnte unter Umständen die eine Farbe verschwinden.

Die Nachbehandlung

Dein Shirt ist nun fertig bemalt und du hast es über mehrere Stunden schon ausreichend trocknen lassen.

Bevor das Shirt nun getragen und gewaschen werden kann, muss die Textilfarbe noch fixiert werden.

Stoffmalfarbe muss fixiert werden, damit sie beim Waschen nicht verschwindet.

Bügeln ist die beste Variante zum Fixieren

Hierzu lies bitte den Artikel Textilfarbe fixieren – so gelingt es, damit du das bestmögliche und langlebigste Ergebnis für dein selbstbemaltes Kleidungsstück erreichen kannst.

Waschen von selbstbemalten Textilien bedarf einiger Vorbereitung

Auch bemalte Shirts müssen gewaschen werden

Wie du dein Bemaltes Textil anschließend noch richtig wäschst, erfährst du in dem Artikel Bemalte Stoffe waschen – eine Anleitung.

Selbstbemaltes Shirt mit Freitag der 13. Motiv

So könnte dein fertiges Shirt aussehen…

Herzlichen Glückwunsch – jetzt bist du ein Stoffdesigner, der ganz stolz sein möglicherweise erstes Werk präsentieren kann. 😊

Letzte Aktualisierung am 19.11.2018 um 18:36 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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