Ich habe eine neue beste Freundin. Sie ist flexibel, weich und anschmiegsam. Sie ist vielseitig und hat ein praktisches Format. Außerdem hat sie mir in letzter Zeit zu ungeahnten kreativen Höhenflügen verholfen. Die Rede ist von meiner Gelli Plate.
Im Artikel über Monotypie hatte ich sie bereits kurz erwähnt. Inzwischen habe ich sie in einer ganzen Reihe von Projekten verwendet, getestet und ausprobiert – quasi einmal auf Herz und Nieren überprüft. Und was soll ich sagen? Sie hat definitiv mehr verdient als diese Randnotiz – nämlich ihren ganz eigenen Beitrag! Denn dank der Gelli Plate habe ich das Stoffmalen noch einmal ganz neu für mich entdeckt – und das nach fast 20 Jahren Erfahrung.
Wieso, weshalb, warum möchte ich dir in diesem ausführlichen Test – oder vielmehr einer Liebeserklärung an die Gelli Plate – gerne erläutern. Zur richtigen Reinigung werde ich ganz zum Schluss etwas schreiben.
Die Gelli Plate eignet sich 100 Mal besser als Laminierfolien
Nach meinen ersten Versuchen des Monoprints auf Stoff mit einer Laminierfolie war mir klar, dass ich ein geeigneteres Medium brauchen würde. Denn die Ergebnisse mit der Laminierfolie sahen schon klasse aus, waren aber schwierig zu bearbeiten. Die Folie war zu starr, es war sperrig mit ihr zu arbeiten. Also entschloss ich mich, einmal in eine Gelli Plate zu investieren.
Für die Nutzung der Platte sollte man kreativ sein
Nach der Anschaffung lag die Gelli Plate dann eine ganze Weile in meinem Regal. Immer wieder schlich ich um sie herum, hatte aber noch keine wirkliche Idee, was ich mit ihr anstellen sollte. Denn hier kam das erste „Problem“ zutage, das man mit der Platte bekommt: Ist man sowieso immer so fest entschlossen bei der Motivauswahl wie ich (nämlich gar nicht😉), dann kommt einem die Gelli Plate da kein Stück entgegen. Im Gegenteil, sie läuft praktisch leicht irre lachend vor einem weg! Mit ihr hat man nämlich die Möglichkeit – wenn nicht sogar den „Zwang“, noch weitaus kreativer zu sein als sonst schon.
Das war ehrlich gesagt auch die erste riesige Umstellung für mich, weswegen ich mich anfangs auch so schwer mit der Gelplatte tat. Ich bin es gewohnt, mir ein Motiv zu überlegen – in einem meist sehr langen Vorgang – und dieses dann mithilfe einer Vorlage exakt auf den Stoff zu bringen.
Auf der Gelli Plate gestaltet man für gewöhnlich frei. So ganz ohne Netz und doppelten Boden quasi. Um mich mit diesem Gedanken anzufreunden, brauchte ich doch eine ganze Weile. Dennoch habe ich es geschafft, die Platte in dem Punkt ein bisschen auszutricksen.
Erster Versuch – ich gestalte einen Hintergrund
Meinen ersten Versuch wagte ich dann, als ich einen Hintergrund für ein Motiv brauchte. Ich wollte eine Sweatjacke mithilfe von mit dem Logo und Schriftzug von Rise Against gestalten. Dafür wollte ich noch einen Hintergrund gestalten. Dafür sollte die Gelli Plate herhalten.
Also orientierte ich mich an ein paar offiziellen Merchandise Artikeln der Band. Bei einem Shirt überlagerte die „Heartfist“ die Flagge der USA. Dieses Motiv gefiel mir ganz gut. Der erste große Vorteil der Platte zeigte sich direkt beim „Abpausen“ der Vorlage: Um die Abstände der Streifen gleichmäßig hinzubekommen, legte ich sie einfach unter die Platte. So konnte ich sie ganz leicht abmalen. Das war schon einmal der erste Pluspunkt.
Anschließend zog ich mit einem groben Pinsel die Streifen nach. In nicht mal einer Minute war das erledigt. Die Sternchen waren nicht so genau abzubilden auf der Platte, deshalb entschied ich mich für aufgetupfte sternenähnliche Gebilde. Die Geschwindigkeit, mit der man auf der Platte arbeitet, ist besonders im Gegensatz zum Stoff gewaltig. Da die Farben nicht aufgesaugt werden, kann man praktisch mit einem Pinselstrich die ganze Platte entlangfahren. In diesem Fall spart man dabei sogar ordentlich Farbe. Bei anderen Techniken weniger, aber dazu später mehr.
Besonders gefällt mir bei dieser Variante, dass man die Pinselstriche wirklich als solche erkennt. Das gibt dem Motiv noch einmal einen ganz besonderen Charme. Das würde man so direkt nie auf den Stoff bekommen. Dafür saugt er die Farbe zu schnell auf und man müsste ständig nachnehmen.
Anschließend wird die Platte umgestülpt und an der richtigen Stelle auf den Stoff gedrückt. Man kann am Ergebnis erkennen, dass ich noch nicht alle Stellen ganz ordentlich angedrückt habe. Da wäre noch Verbesserungspotenzial gewesen. Trotzdem bin ich – gerade für den ersten Versuch – mega zufrieden. Die Umsetzung mit den Schablonen lief dann nicht ganz so wie gewünscht, weswegen ich den Siebdruckrahmen aus dem dazugehörigen Marabuset zur Hilfe nahm. Hätte ich hier schon meine späteren Erfahrungen gehabt, hätte ich auch dafür die Gelli Plate nehmen können. Da ich das aber noch nicht wusste, kommen die Versuche dazu erst später.
Zweiter Test – Schablonen und freies Gestalten
Das nächste Projekt sollte ein Shirt – ebenfalls mit einem Rise Against Motiv – werden. Die Schablonen waren schließlich schon da und außerdem finde ich diese Band einfach nur großartig. Da kann man ruhig mal das eine oder andere Kleidungsstück mit verschönern.
Passend zum Album „Wolves“ sollte also diesmal ein Wolfsmotiv dazu kommen. Bei der Kombination aus der Gelli Plate und den Schablonen fasziniert mich übrigens außerdem, dass man das Gesamtmotiv auch über das ganze Kleidungsstück verteilen kann und damit nicht direkt auf die DIN A4 Größe des Papiers angewiesen ist. Natürlich kann man auch hier das Motiv größer ausdrucken, zusammensetzen und dann malen. Dennoch sind mit der Platte die gefühlten Gestaltungsmöglichkeiten irgendwie größer. Man kann während des Tuns noch Position, Größe und zusätzliche Parts des Motivs bestimmen.
Um zu sehen, ob man auch komplexe figürliche Motive auf der Platte malen kann, begann ich mit dem Wolfskopf. Da ich das aber nicht komplett aus dem Gedächtnis kann, brauchte ich wieder eine Vorlage. Diese legte ich also wieder unter die Platte und legte los. Das ist übrigens ungemein praktisch, mit dem Unterlegen der Vorlage. Das erspart viel Zeit und schont die Nerven.
Beim Wolf merkte ich aber schon, dass ich auf jeden Fall zügig arbeiten muss. Sobald die Farben auf der Platte antrocknen, bekommt man sie kaum noch auf den Stoff. Also war ein Quickie angesagt. Nicht viel Nachdenken, einfach machen. Da ich das ganze Shirt in Blautönen halten wollte, wurde auch der Wolf blau. Mit dem ersten Ergebnis war ich schon einmal sehr zufrieden und auch nach dem Umstülpen sah der Wolf auf dem Shirt richtig gut aus.
Da ich nun bei der vorangegangenen Jacke mit den Schablonen und ihrer „Schärfe“ nicht so wirklich zufrieden war, mir das Drucken mit dem zu kleinen Siebdruckrahmen aber auch irgendwie zu umständlich war, musste eine andere Lösung her. Also legte ich die Schablone mit dem Bandnamen verkehrtherum auf die Gelli Plate und war absolut überrascht. Wie dafür geschaffen saugte sich die Schablone aus Mylarfolie an der Gelplatte fest und tat so, als würde sie dort hingehören.
Diagonal passte der Schriftzug auch gerade so auf die Platte. Schwein gehabt. Also gab ich jetzt mithilfe des Spatels die Farben auf die Schablone und verteilte sie mit der Schaumstoffrolle. Die dabei entstandenen Effekte sahen direkt klasse aus. Schablone abziehen, die Ränder sauber machen, an denen etwas Farbe auf die Platte gekommen war, wo sie nicht sollte – und schon konnte der nächste Druck stattfinden.
Allerdings ist das der Part, bei dem man mehr Farbe benötigt, als würde man händisch malen. Da erstens die Rolle, mit der man die Farbe über der Schablone verteilt, relativ viel Farbe schluckt und zweitens auch auf der Schablone selbst Farbe landet, die später verloren ist, ist diese Technik eher farbenverbrauchend. Nichtsdestotrotz macht sie unheimlich Spaß und geht wahnsinnig schnell.
Wenn wir ganz ehrlich sind, hätte ich in dieser Geschwindigkeit weder mit meiner normalen Technik noch mit der Schablone alleine – und schon gar nicht mit diesen Effekten – dieses Ergebnis erzielen können. Völlig euphorisch von der Kombination von Gelli Plate und Mylarschablone hoffte ich, dass die zweite Schablone mit der Heartfist auch auf die Platte passen würde. Sie tat es. So konnte ich also mit dem Logo genauso verfahren.
Vom fertigen Ergebnis, der Geschwindigkeit und der Möglichkeit, die Motive nach Belieben überlappen zu lassen und mit den tollsten Effekten ausstatten zu können, war ich derart begeistert, dass ich gleich noch zehn Shirts in dem Stil hätte machen können.
Jetzt musste ich mich allerdings erst einmal bremsen, denn so viele Shirts ohne Motiv habe ich nun auch nicht auf Lager und immer nur das gleiche Motiv ist ja auf Dauer auch langweilig. Aber die Gestaltung hatte definitiv so viel Spaß gemacht, dass ich unbedingt neue Ideen und Textilien brauchte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Investition in die Gelli Plate für mich schon mehr als ausgezahlt!
Dritter Versuch – zu viel Farbe ist keine gute Idee…
Ein weiteres Rise Against Kleidungsstück durfte es dann aber doch noch werden – schließlich hatte ich bisher nur Jacke und Shirt, ein Tanktop fehlte in der Sammlung noch! 😊 Allerdings wurde ich jetzt etwas übermütig beim Ausprobieren und nun schlich sich der erste grobe Fehler ein. Ich begann wieder mit der Kombination aus Schablone und Gelplatte. Die Heartfist in Rot sah auch tatsächlich richtig klasse aus. Die zwei unterschiedlichen Rottöne, die ich verwendet hatte, ergaben einen schönen Effekt.
Den Schriftzug wollte ich in weiß haben. Das Weiß, das ich mir ausgesucht hatte, war leider schon ein bisschen überaltert und klumpte. Auch intensives Aufrühren half hier nicht mehr und zu viel Wasser wollte ich nicht dazu geben, da die Farbe sonst nicht mehr genug decken würde. Also verwendete ich die Farbe so und trug eine dicke Schicht auf. Das war der Fehler. Zu viel Farbe – so durfte ich nun feststellen – verteilt sich beim Drucken mit der Platte anschließend ungünstig. Theoretisch hätte ich mir das auch vorher denken können, aber ich war so sehr im Ausprobiermodus und etwas genervt von der „kaputten“ Farbe, dass ich daran keinen Gedanken verschwendete.
So kam, was kommen musste. Die Schrift ging auseinander, wie ein Hefeteig und man konnte kaum noch etwas erkennen. Mist. Nun war guter Rat teuer. Ich entschied mich – obwohl es um die Heartfist sehr schade war, da sie sehr gut geworden war, das Top in die Waschmaschine zu schmeißen.
Merke: Das Kurzprogramm reicht nicht aus, um die frische Farbe restlos zu entfernen.
Aha, wusste ich das jetzt also auch. Nach dem Waschvorgang stand ich also vor dem nächsten Problem. Die Farbe war nicht mehr schön, aber weg war sie auch nicht. Doppel Mist. Da ich aber im Laufe der letzten paar Textilien schon angefangen hatte, mich mit kreativen Lösungen auseinanderzusetzen, passte ich mich einfach an.
Da ich jetzt nicht mehr mit der Gelli Plate drucken konnte, bzw. wollte, da ich sicherlich nicht den gleichen Platz wieder getroffen hätte, half ich mir mit den Schablonen aus, um das Top zu retten. Die Schablonen ersparten mir wenigstens, eine andere Vorlage zu bemühen – was aufgrund der Lage auch schwierig geworden wäre – oder frei Hand malen zu müssen. Für gerettet gefällt mir das Ergebnis immer noch ziemlich gut.
Allerdings fehlte noch irgendetwas. Der letzte Schliff, der dem Motiv den nötigen Pfiff verlieh. Dafür kam dann wieder die Gelli Plate zum Einsatz. Ich wollte noch etwas, das an Blutstropfen oder -spritzer erinnern sollte. Daran war ich mit meinen bisherigen Methoden bisher immer gescheitert. Mit der Platte konnte ich mir das Ganze aber gut vorstellen.
Mithilfe einer kleinen Einwegspritze – ja, man kann einfach ALLES zum Malen verwenden 😉 – und etwas verdünnter roter Farbe tropfte ich rote Tropfen auf die Platte. Ich konnte sie sogar etwas verlaufen lassen, was auf Stoff selbst so nie funktioniert. Anschließend kam die Platte auf den Stoff. Ich würde mal sagen, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Und dass sowohl der Bandname als auch die Heartfist nun eine Art Schatten haben, finde ich im Nachhinein sogar gar nicht so schlimm. Es passt irgendwie gut zum Motiv.
Vierter Versuch – ein Shirt, diverse Techniken
Der vierte Test – und diesmal war es wirklich ein etwas größer angelegter Test – fand diesmal auf einem weißen Shirt statt und beinhaltete kein Rise Against Logo. 😊 Auf weißem Stoff ist man gestaltungstechnisch noch einmal ein Stück freier. Man kann mehr Farben benutzen und die Effekte zeigen sich oft noch deutlicher und stärker. Denn im Gegensatz zu dunklen Stoffen kann man hier mit einfachen Farbaufträgen und wenig Farbe schon viel erreichen.
Ich hatte mir vorab eine kleine Konzeptstudie angefertigt, wie das Shirt in etwa aussehen sollte. Nach diesen Vorgaben begann ich mit dem kreativen Prozess. Ich muss sagen, so komplett frei fällt es mir immer noch schwer, etwas zu gestalten. Ich arbeite lieber mit klaren Vorgaben. Aber die Gelli Plate lädt einen einfach ein, mal etwas Neues auszuprobieren.
Ein künstlerisch angehauchtes Sonne-Regen-Regenbogen-Szenario hatte ich mir vorgestellt – mit ein paar unegalen Sternen hier und da. Hintergrund der Motivauswahl war natürlich auch, dass ich möglichst viele Techniken in Verbindung mit der Platte ausprobieren konnte.
Zur Vorbereitung klebte ich mir mit Malerkrepp einen großen rechteckigen Bereich auf der Vorderseite des Shirts ab, in dessen Rahmen ich mich austoben wollte. Schon mal etwas ganz Neues für mich, mich quasi einmal über das ganze Shirt ausbreiten zu können.
Den Anfang machte der Part der Sonne in der oberen linken Ecke. Hierfür begann ich mit einem Schwamm gelbe Farbe auf die Platte aufzutupfen. Je nachdem, welches Medium man für den Farbauftrag verwendet, kann man hinterher den Effekt auf dem Stoff bestimmen. Während der Schwamm kleine Luftlöcher innerhalb der Farbflächen entstehen lassen kann, erkennt man durchgängige Pinselstriche hinterher noch als solche oder kann mit Rollen gleichmäßige Farbflächen gestalten. Der Fantasie sind bei der Verwendung der farbauftragenden Medien also keine Grenzen gesetzt. Die einzige Voraussetzung bleibt, dass sie die Platte nicht beschädigen.
Da mir der eine gelbe Fleck noch etwas zu nichtssagend war, tupfte ich munter weiter und es entstand mehr eine Art „Sonnensturm“. Wichtig bei der Arbeit mit der Gelli Plate ist immer, auf die richtige Ausrichtung zu achten. Sie bot sich durch ihre eckige Form an, die Ecke des abgeklebten Rechtecks direkt auf ihr zu gestalten. Da man die Platte aber dann umdreht, kann der Effekt schnell in die falsche Richtung laufen. Ein kleines bisschen räumliches Denken braucht man also schon.
Nachdem die Sonnenecke fertig war, entfernte ich die Farbe mit einem Babyfeuchttuch und machte mich an den Regenbogen. Sollen die Farbflächen strikt getrennt bleiben, empfiehlt sich, auf das Trocknen der einzelnen Farbbereiche zu warten. Das war in meinem Fall aber egal. Die Farben hätten sich durchaus mischen dürfen. Es sollte ja sowieso ein buntes Potpourri werden.
Für den Regenbogen musste ich nun etwas zügiger werden. Die unterschiedlichen Farben kamen nebeneinander auf die Platte und wurden zum Regenbogen verstrichen. Die Pinselstriche sollten noch gut erkennbar bleiben. Da ich den Pinsel zwischendurch immer wieder reinigen musste, um die Farben sauber zu halten, durfte ich mir nicht zu viel Zeit lassen. Ansonsten trocknen die Farben zu sehr an und das Ergebnis wird nicht mehr schön. Also ganz wichtig: Vorher einen Plan machen, was wie aussehen soll und dann erst die Farben auf die Platte auftragen.
Schwamm und Pinsel waren nun schon einmal abgenommen. Deren Effekte gefielen mir richtig gut. Als nächstes wollte ich den Linolstempel ausprobieren. Dafür nahm ich den Stempel mit dem Blatt, den ich mit dem Softlinol Set von Marabu erstellt hatte. Die Farbe kam also erst auf den Stempel und anschließend drückte ich diesen auf die Platte.
Es lässt sich festhalten, dass das doppelte Übertragen von Farben – also erst auf den Stempel und dann auf die Platte – dann wohl doch ein Schritt zu viel ist. Zwar habe ich so die Möglichkeit, den Stempel quasi „richtigherum“ auf den Stoff zu bekommen, aber geht bei diesem Vorgang unterwegs einfach zu viel Farbe verloren. Auch klappt die Übertragung der Farbe von Stempel auf Platte nicht besonders gut. Das Blatt ist auf dem Stoff kaum zu erkennen. Auch ein zweiter Versuch war nicht viel besser. Diese Variante ist also eher ungeeignet. Entweder stempelt man direkt oder lässt es bleiben.
Als nächstes sollte der „Regenpart“ folgen. Was soll ich sagen – der Effekt, den ich erzielen konnte, gefällt mir richtig, richtig gut. Leider hat er auch ein paar Nachteile und mir das Shirt fast versaut… Doch langsam. Für den Regen verwendete ich Textilsprühfarben – Marabu Fashion Spray . Da diese nur für helle Stoffe geeignet sind, konnte ich den Test erst jetzt auf dem weißen Shirt machen. Die Sprühfarben waren wie erwartet sehr flüssig. Meine Erwartung, dass ich nun endlich die Chance hätte, den feinen Sprühnebel tatsächlich als solchen darstellen zu können, zerschlug sich aber fast prompt.
Die Farbe lief auf der Gelli Plate direkt zu gröberen Flecken zusammen. Das hatte ich mir so nicht vorgestellt. Also bewegte ich die Platte vorsichtig hin und her – und siehe da: Die Farbe verlief zu rinnenden Mustern, wie Regentropfen an einer Fensterscheibe. DAS fand ich tatsächlich richtig klasse. Doch leider ergibt sich bei solch flüssigen Farben, die so mühelos verlaufen, auch eine große Schwierigkeit. Die Platte lässt sich nicht mehr wirklich unfallfrei umstülpen… Das musste ich leider schmerzlich feststellen.
Okay, ich hätte das Shirt noch mehr abdecken können. Das hätte vielleicht ein bisschen geholfen. So allerdings landete zwar der größte Teil der Farbe an der richtigen Stelle – ein Teil aber auch außerhalb meines Krepprechtecks. Und ja – in diesem Fall ist auswaschen der Farbe echt schwierig. Besonders auf Weiß bekommt man die Farbe kaum noch komplett heraus, ohne alles direkt in die Waschmaschine zu schmeißen. Ich entschied mich, das Ganze vorsichtig zu verdünnen und hoffte noch ein bisschen, dass die Farbe herausgehen würde – tat sie natürlich nicht.
Statt mich aber zu sehr darüber zu ärgern, machte ich mit dem nächsten Abschnitt weiter – dunkelblauer Nachthimmel mit Sternen. Dazu verwendete ich viel blaue Farbe und die große Walze auf der Platte. Durch das Walzen und Verteilen der Farbe ergibt sich ein unregelmäßiges Farbmuster, das wiederum seinen ganz eigenen Charme hat.
Ohne die Platte zu reinigen legte ich als nächstes eine Sternchen Schablone darauf und bestrich sie mit gelber Farbe. So hatte ich das Schablonenthema auch noch in dieses Shirt eingearbeitet. Hätte ich die Gelli Plate vorher gereinigt, wären die Sternchen sicherlich etwas heller geworden, aber schlimm finde ich das nicht.
Nach dem Test musste ich das Shirt noch retten…
Nun war mein eigentlicher Test abgeschlossen. Ich hatte soweit alle Möglichkeiten ausgetestet, die mir so spontan eigefallen waren. Man kann wie gesagt noch unzählige weitere Medien verwenden, um die Farbe auf die Platte zu bekommen – oder auch wieder zu entfernen. Dadurch ergeben sich auch tolle Muster. Aber so hatte ich auch alle meine Farbsorten einmal durchprobiert und war mit dem Ergebnis auch recht zufrieden. Nun stand nur noch an, das Shirt zu retten, da ich ja mit der Sprühfarbe gekleckert hatte.
Zu diesem Zweck ließ ich als erstes die Farben trocknen und entfernte anschließend die Malerkreppränder. Schön war er nicht, der halb ausgewaschene Fleck, dort an der Seitennaht. Bei der „Rettung“ solch misslungener Partien ist es meiner Meinung nach wichtig, dass es hinterher so aussieht, als wäre es gewollt gewesen.
Also entschied ich mich für ein Aquarellefarben Rettungspaket. Dafür verwendete ich die Aquarelle Textilfarben von Marabu. Diese trug ich – diesmal allerdings ohne die Gelli Plate zu verwenden – auf den betroffenen Bereich auf. Ich verwendete Blau und Lila, da diese Farben auf dem „We’re all mad here“ Shirt schon gut zusammen harmoniert hatten. Der Plan sah vor, es hinterher so aussehen zu lassen, als würde das Motiv einfach aus seinem „Rahmen“ an der Seite heraus und um das Shirt herumlaufen.
Um den Anschluss an das eigentliche Motiv zu halten, kamen dann per Schablone und Gelli Plate noch drei Reihen Sterne dazu. Sie bilden quasi die Brücke zwischen dem Frontmotiv und der ursprünglich verhunzten Seite. So ist auf jeden Fall der Fleck als solcher nicht mehr zu erkennen. Ob das Ganze nun gelungen ist oder nicht, ist sicherlich Geschmackssache – aber ich bin mit meinem Test durchaus sehr zufrieden.
Wie reinige ich die Gelli Plate richtig?
Ein wichtiger Punkt im Umgang mit der Gelli Plate fehlt noch. Die Reinigung. Denn so simpel, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es gar nicht. Nach der ersten Benutzung versuchte ich es mit Wasser und einer milden Seife. Das Wasser war nicht zu heiß, da ich Angst hatte, die Platte zu beschädigen. Da ich meine Schablonen auch so reinige, dachte ich, es würde auch mit der Gelplatte funktionieren.
Allerdings ging die Farbe nicht richtig ab. Zu doll wollte ich auch nicht reiben und auch keine Hilfsmittel wie eine Bürste verwenden. Schließlich ist die Platte zwar relativ robust, aber durch unsachgemäße Reinigung wollte ich sie schließlich auch nicht kaputt machen.
Nach dem Trocknen und Lagern wollte ich die Platte dann erneut verwenden. Das ging zwar soweit problemlos, aber die Farbreste störten mich schon ein bisschen. Mit jeder Verwendung kam ein wenig mehr Farbe dazu, die Platte wurde milchig und unansehnlich. Ich hatte mich schon fast mit dem Gedanken abgefunden, dass ich die Platte durch mein Vorgehen irgendwie ruiniert hatte.
Ein weiterer Tipp, den ich dann las, waren Babyfeuchttücher . Und tatsächlich: Mit ihnen kann man besonders zwischen den Arbeitsschritten eine schnelle und effektive Reinigung hinbekommen. Sie schaden der Platte nicht und sie wird zumindest schon einmal sauberer als mit Wasser und Seife. Babyfeuchttücher gehören bei der Arbeit mit der Gelli Plate nun unbedingt dazu.
Doch die letzten Farbreste entfernte auch dieses Vorgehen nicht. In der Anleitung fand ich, dass Babyöl Ölfarben von der Platte entfernen sollte. Zwar arbeite ich nicht mit Ölfarben und Stoffmalfarben entsprechen diesen auch nicht wirklich, aber trotzdem wollte ich es probieren. Und was soll ich sagen? ist zur Reinigung der Gelli Plate das Non-Plus-Ultra! Einfach ein bisschen auf ein Küchentuch träufeln und schon löst sich sämtliche alte Farbe von der Platte. Nach der Reinigung den Rest noch einmal mit einem sauberen Tuch abnehmen und dann das Ganze wieder zurück in die Schachtel legen und an einem lichtgeschützten Ort waagerecht lagern.
Und einen weiteren Vorteil hat die Pflege mit dem Babyöl: Nach diversen Nutzungen hafteten die Mylarschablonen nicht mehr so gut an der Gelli Plate. Die Farbe hatte die Oberfläche der Platte stumpf gemacht. Das Öl sorgt dafür, dass die ursprüngliche Haptik wieder zutage tritt. 😊
Mein Fazit zur Gelli Plate
Ich für meinen Teil bin sehr froh, dass ich der Gelli Plate eine Chance gegeben habe. Denn das hat dazu geführt, dass ich die Stoffmalerei auch nach fast 20 Jahren Erfahrung noch einmal völlig neu erleben durfte. Tatsächlich bin ich wirklich schockverliebt in diese unscheinbare Gelplatte und kann jedem nur ans Herz legen – besonders den kreativeren unter euch – sie einmal auszuprobieren.
Sie bietet derart viele Gestaltungsmöglichkeiten, dass es eine helle Freude ist. Ich habe mir übrigens schon neue T-Shirts bestellt und bin nun auf der Suche nach neuen Motiven, die ich mit der Gelli Plate auf den Stoff bringen kann. 😉 In meinen weiteren Beiträgen und Bilderstrecken wird dir die Platte bestimmt ab jetzt öfter über den Weg laufen!
Und hier noch einmal die fertigen Testergebnisse:
Letzte Aktualisierung am 5.10.2024 um 11:28 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API