Diese Techniken aus der Acrylmalerei kannst du auch in der Stoffmalerei anwenden

Techniken aus der Acrylmalerei in der Stoffmalerei anwenden - stoffe-bemalen.deEinige Fragen aus den Kommentaren bedürfen doch etwas längerer Antworten. Manchmal sogar so ausführlich, dass ein ganz neuer Artikel daraus entstehen kann. 😊 So auch hier. Nikolai fragte mich, wie man sich den Vergleich zwischen Stoffmalerei und Acrylmalerei vorstellen kann. Die Antwort kommt hier!

Bei der Acrylmalerei haben sich über die Jahrzehnte einige Techniken etabliert, die auf der Leinwand die unterschiedlichsten Effekte möglich machen. Ein paar von ihnen lassen sich auch in der Stoffmalerei anwenden. Allerdings gibt es auch einige völlig ungeeignete Methoden. Wer bisher also nur mit Acryl auf Leinwand gemalt hat, sollte beim Umstieg auf die Stoffmalerei aufpassen.

Achtung:
In diesem Artikel geht es NICHT darum, ob man Stoffmalfarben durch Acrylfarben ersetzen kann. Davon rate ich nach wie vor dringend ab. Acrylfarbe ist nicht dafür gedacht, auf waschbare Textilien aufgetragen zu werden. Sie mag zwar halten, ihre Eigenschaften sind aber wesentlich unberechenbarer als die von speziell entwickelten Stoffmalfarben. Dieser Artikel zeigt lediglich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Maltechniken auf. Großer Unterschied! Mehr zum Thema findest du im Artikel Welche Stoffmalfarbe passt zu mir?.

Ein paar Tipps für Umsteiger

Bevor wir uns den aus der Acrylmalerei bekannten Techniken widmen, möchte ich noch ein paar grundlegende Tipps loswerden. Denn wenn man diese kennt, so ergibt sich daraus schon oft, welche Methode auch mit Stoffmalfarben auf Textilien funktioniert.

  1. Stoffmalfarben trocknen ähnlich schnell wie Acrylfarben.
  2. Stoff ist saugfähiger als Leinwand. Daraus ergibt sich, dass die Stoffmalfarben schnell in den Stoff einziehen oder – bei starker Verdünnung mit Wasser – auch verlaufen.
  3. Man kann problemlos mit einer Grundierung arbeiten (z.B. weiße Stoffmalfarbe), muss diese aber als zusätzliche Farbschicht im Auge behalten. Je mehr Farbschichten man aufträgt, desto eher bröckelt das Motiv hinterher ab.
  4. Beim Stoffmalen ist weniger mehr: Die Farbschichten dürfen unter keinen Umständen zu dick sein. Strukturelles Auftragen ist unbedingt zu vermeiden. Die Farbe wird so kaum die erste Wäsche überleben. Ausnahme sind hier spezielle 3D Plusterfarben . Sie sind für das Herausarbeiten solcher Texturen ausgelegt.

Kommen wir nun aber tatsächlich zu den Techniken und ihrer Eignung für die Stoffmalerei aus meiner Sicht. Trotz dieser Tipps und Ratschläge spricht selbstverständlich nichts dagegen, wenn du mit den Medien und Methoden experimentierst. Im Gegenteil. Eigene Erfahrungen und viel Übung bringen immer noch die besten Ergebnisse hervor!

Lasurtechnik

– mittel, unter bestimmten Umständen –

Transparentes Malen ist mit Stoffmalfarben nur bedingt realisierbar – jedenfalls dann, wenn der Malgrund durchscheinen soll. Zwar hat man bei Opakfarben auf dunklem Untergrund häufig den Effekt, dass sie beim ersten Malen noch nicht decken und der Stoff durchscheint, doch das hat mit der Lasurtechnik in dem Sinne nichts zu tun. Schatteneffekte lassen sich allerdings so gut erzielen und auch Verläufe zu kräftigeren Farben sind möglich.

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Hier kann man sehen, dass ich die schwache Deckkraft des Opakweiß‘ an einigen Stellen für Schattierungen genutzt habe. Einfach nur eine Schicht Farbe auftragen, schon ergibt sich ein farblicher Unterschied. Eine Lasurtechnik ist das aber freilich noch nicht.

Die Lasurtechnik selbst kann man allerdings mit Farbe auf Farbe erzielen. Hierfür muss die untere Schicht Farbe komplett durchgetrocknet sein und idealerweise heller als die darauf aufgetragene. Die zweite Farbe wird mit Wasser stark verdünnt und ganz dünn auf die erste aufgetragen. So lassen sich Schattierungen und Ähnliches malen.

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Hier kann man allerdings schon Ansätze der Lasurtechnik erkennen: Das helle Blau an den Innenseiten des Banners ist so dünn, bzw. verdünnt aufgetragen, dass die hellere Grundfarbe darunter noch zu erkennen ist. Ist die untere Farbe bereits durchgetrocknet, kann man diese Technik anwenden.

Nass-in-Nass Technik

– sehr gut –

Sie findet durchaus auch in der Stoffmalerei Anwendung – ich selbst nutze sie für Verläufe regelmäßig. Hierbei werden zwei oder mehr Farben ohne Antrocknen direkt auf dem Stoff gemischt oder zu einem Verlauf vermalt. Hat die Farbe noch nicht die gewünschte Konsistenz, kann man sie mit einem bisschen Wasser verdünnen. Doch Achtung: Immer sparsam mit dem Wasser sein! Der Stoff saugt gut und verdünnte Farbpigmente erreichen in Windeseile Stellen, an denen man sie garantiert nicht haben wollte (besonders auf hellen Stoffen).

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Bei der Nass-in-Nass Technik mischt man – direkt auf dem Stoff – die noch feuchten Farben zu den gewünschten Verläufen, Schattierungen und Details zusammen. Diese Technik funktioniert auf Stoff einwandfrei – sofern man nicht zu viel Farbe nimmt und die Schichten zu dick werden. So sind auch wirklich feine Motive möglich.

Spachteltechnik

– gar nicht –

Sagen wir mal so – natürlich kannst du deine Stoffmalfarbe auch mit fast jedem anderen Medium auftragen. Neben klassischen Pinseln kannst du Spachtel, Schwämme, Malmesser, Farbrollen aus Gummi oder Schaumstoff oder was auch immer dir beliebt benutzen. Allerdings ist hier nicht das Ziel, nachher eine schöne Oberflächenstruktur zu erzeugen. Im Gegenteil. Es gibt zwar spezielle 3D Farben, diese muss man aber dann auch gezielt verwenden. Struktur sollte dein Gemaltes mit Stoffmalfarben lieber nicht haben. Das macht das ganze nur riss- und ablösungsanfällig. Bedenke immer, dass deine Kunstwerke nicht an die Wand kommen, sondern in der Waschmaschine halten müssen!

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Dieser Adler ist in der Nass- in-Nass Technik gemalt. Am Weiß rechts kann man sehen, dass die Farbe dort sehr dick aufgetragen ist und eine richtige Struktur bildet. Hier habe ich zwar einen Pinsel statt eines Spachtels verwendet – aber der Effekt war hinterher trotzdem derselbe. Die Farbe war zu dick und hat sich relativ schnell beim Waschen gelöst. Stoffmalfarbe sollte immer so dünn wie möglich aufgetragen werden.

Rakeltechnik

– mittel, mit Hilfsmitteln gut –

Bei dieser Technik werden in der Acrylmalerei Farben mithilfe eines Rakels über die Leinwand gezogen, um schöne Muster und Effekte zu erzielen. Bei Stoff ist das nur bedingt möglich. Man sollte immer im Hinterkopf haben, dass der Stoff die Farbe gut aufsaugt. Man würde mit dem Rakel vielleicht halb so weit kommen, wie auf einer Leinwand. Nimmt man mehr Farbe, schmiert es unter Umständen nur. Allerdings ist es dennoch möglich, solche Effekte auf Stoff zu zaubern: Man nehme einfach eine Gelli Plate und wende die Rakeltechnik darauf an. Anschließend ab auf den Stoff und das Muster ist da.

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Über einem Siebrahmen kann man die Rakeltechnik natürlich auch anwenden. Direkt auf dem Stoff kommt man meist nicht so schön flüssig dazu, die Farbe zu verteilen.

Die Schwammtechnik

– sehr gut –

Wie bei der Spachteltechnik bereits beschrieben kannst du Stoffmalfarbe mit beinahe jedem Medium auf den Stoff bringen. Schwämmchen sind tatsächlich besonders gut geeignet, da sie keine scharfen Kanten haben, die den Stoff beschädigen könnten.

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Ein Schwamm eignet sich hervorragend, um ein paar schöne Muster und Effekte auf den Stoff zu tupfen. Das kann man entweder so vorsichtig wie hier machen oder die Fläche sehr großzügig bearbeiten.

Ich selbst arbeite ab und zu für schöne Effekte selbst mit Schwämmchen. Dafür nutze ich in der Regel Naturschwämme. Sie haben im Gegensatz zu Industrieschwämmen eine schöne Form ohne Ecken, was den Farbauftrag gefälliger macht. Es kommt aber natürlich immer auch auf das Motiv an. Außerdem kann man die Farbe mit dem Schwamm sehr gut in den Stoff hineinarbeiten und die Gefahr des Ablösens wird geringer.

Sgrafittotechnik

– mittel bis schlecht

Hier entsteht das Acrylbild durch Abkratzen der obersten Farbschicht. Eine nasse Farbschicht wird von einer trockenen mithilfe eines Werkzeugs entfernt. Davon ist in der Stoffmalerei eher abzuraten. Zumindest, wenn man ein scharfes Werkzeug verwendet. Mit einem Pinsel oder etwas adäquat weichen kann es funktionieren. Aber pass immer gut auf deinen Stoff auf. Das beste Motiv taugt nichts, wenn das Shirt hinterher dort ein Loch hat.

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Arbeitet man wie hier auf einer getrockneten Grundierung, kann man darauf aufgetragene Farbe theoretisch auch vorsichtig für die Sgraffittotechnik entfernen. Dafür sollte man aber kein spitzes oder scharfes Werkzeug verwenden und ob der Effekt hinterher ausreichend ist, kann man nie genau sagen.

Granuliertechnik

– gar nicht –

Dabei wird der Malgrund mit Strukturpasten oder ähnlichem, dem Sand beigemischt wird, behandelt. Das fällt für die Stoffmalerei aus. Sand in Pasten auf Stoff – keine gute Idee. Zumal es vermutlich eine Wäsche auch nicht überleben würde.

Impastotechnik

– sehr schlecht, nur mit Hilfsmitteln –

Hier achtet man in der Acrylmalerei darauf, dass die Farben möglichst dick aufgetragen werden und die Struktur des Pinselstrichs erkennbar bleibt. Das sollte man direkt auf Stoff wiederum am besten vermeiden. Zu dicke Farben bröckeln beim Waschen sonst einfach ab. Hier kann man sich allerdings – zumindest was das Erkennen der Pinselstriche angeht – wieder mit der Gelli Plate  helfen.

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Pinselstriche auf die Gelli Plate und anschließend auf den Stoff?! So kann man prima tricksen, wenn man auf die Erkennbarkeit der Pinselstriche wert legt!

Durch sie bekommt man die Abdrücke der Pinselstriche eins zu eins auf den Stoff übertragen. Nur mit der Erhabenheit und Struktur wird es schwierig. Da können dann 3D Plusterfarben wieder helfen. Mit denen habe ich aber weniger Erfahrungen und ob der Effekt dann wirklich an die Impastotechnik erinnert, kann ich auch nicht mit Gewissheit sagen.

Acrylic Pouring

– überhaupt nicht –

Bei dieser Technik werden Acrylfarben mit Fließmitteln verdünnt und über die Leinwand laufen gelassen. Da der Trick hierbei darin besteht, dass die Farben ÜBER den Malgrund laufen, kann man das für Stoff direkt ausschließen. Hier dringt die Farbe ja IN den Malgrund ein. Also ist diese Technik bei Stoff raus.

Airbrushtechnik

– gut –

Das habe ich selbst zwar noch nicht angewendet, aber bei geeignetem Werkzeug und Talent ist es durchaus möglich, Stoffe mit Farben aus der Airbrushpistole zu verschönern. Da die Farbschichten hier sogar etwas dünner ausfallen als beim Malen, eine sehr interessante Möglichkeit. Allerdings ist Airbrush eher für Könner und Kenner der Materie – man benötigt außerdem entsprechendes Equipment.

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Die Airbrushpistole des kleinen Mannes? Natürlich nicht 🙂 Aber fein zerstäubt und mit dem richtigen Equipment aufgebracht sollte diese Technik gut geeignet sein.

Collagen

– mittel –

Auf Leinwänden kann man auch prima andere Materialien in seine Werke einbinden, indem man sie mit der Farbe an die Leinwand „klebt“. Das sollte man bei Stoff eher nicht machen. Das würde bei der Wäsche schlicht nicht halten. Allerdings ist es durchaus möglich, mit angenähten Dingen zu arbeiten und so Collagen auf dem Stoff zu gestalten. Ob Patches aus Stoff, Nieten, Ösen, Stickmuster oder Ziernähte – in dieser Richtung sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt und sofern alles gut befestigt ist, sollte es auch eine Wäsche gut überstehen.

Achtung:

Wer jetzt sagt: Natürlich kann ich mit der Granulier- oder Impastotechnik auch auf Stoff malen, was redet sie da? – dem möchte ich noch einmal ganz deutlich sagen: Ja, recht hast du! Bedenke aber IMMER, dass das bei Stoffen, die die Waschmaschine von innen sehen sollen, keine gute Idee ist. Zierkissen, Vorhänge, Banner für die Wand – bei all solchen Projekten kannst du auch eher ungeeignete Techniken verwenden. Kein Problem. Das macht der Stoff in der Regel schon mit. Aber für tragbare Textilien sind eben nicht alle Techniken empfehlenswert. Danke!

Bist du mehr der Typ für Acryl- oder Stoffmalfarben?

Jetzt kennst du die meisten Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Stoff- und Acrylmalerei. Kennst du noch mehr? Und welche Technik sagt dir am meisten zu? Womit konntest du auch in der Stoffmalerei gute Erfahrungen sammeln und was hat so gar nicht geklappt? Schreib es gerne in die Kommentare! Und natürlich wünsche ich dir ganz viel Spaß beim Ausprobieren und Experimentieren! 😉

Letzte Aktualisierung am 17.09.2021 um 05:45 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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